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Forschung

Digital Gender Gap

Der Gender Pay Gap dürfte allen ein Begriff und Unternehmen ein wichtiges Anliegen sein. Doch neben dem Gehalt sorgt auch der sogenannte Digital Gender Gap für Ungleichheit.

Wie digital ist unsere Gesellschaft?

Mit Hilfe des D21-Digital-Index wird seit 2013 jährlich der Digitalisierungsgrad der deutschen Gesellschaft gemessen. Der Index setzt sich dabei aus den Bereichen: “Zugang zur Digitalisierung”, “Nutzungsverhalten in der digitalen Welt”, “Digitale Kompetenz” sowie “Offenheit gegenüber der Digitalisierung” zusammen und wird mit Punkten auf einer Skala von Null bis 100 bemessen. Für die Jahre 2022/2023 erreichte Deutschland einen Digital-Index von insgesamt 57 Punkten. 

Unsere Arbeitswelt wird in der heutigen Zeit Branchen- und Abteilungsübergreifend von der Digitalisierung geprägt. Sowohl Arbeitgebende als auch Mitarbeitende müssen mit ihren Auswirkungen im Job-Alltag umgehen können und insbesondere Unternehmen sehen sich mit ihren Herausforderungen konfrontiert. 

Was ist der Digital Gender Gap?

Der Digital Gender Gap beschreibt den Unterschied im Verhältnis zwischen Männern und Frauen, welche über den Zugang zu digitalen Technologien verfügen und die Möglichkeit haben, diese zu nutzen oder zu entwickeln. Der Digitalisierungsgrad von Frauen zeigt sich geringer als der von Männern und dies wird insbesondere auch in der Arbeitswelt sichtbar. Die Ergebnisse des D21-Digital-Index 2022/2023 bestätigen das. So erreichen Frauen im D21-Digital-Index durchgängig, über soziodemografische Merkmale hinweg, einen geringeren Digitalisierungsgrad als Männer. 

Wie äußert sich der Digital Gender Gap?

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf die Digitalisierung ist unter anderem auf die unterschiedliche Nutzung vernetzter Technologien wie Cloud-Systeme, Videokonferenztools, etc. zurückzuführen. Darüber hinaus spielen die ungleiche Verteilung digitaler Endgeräte, das Fehlen entsprechender Arbeitsplatzangebote für Frauen sowie der Zugang zu einer digitalen Ausbildung eine große Rolle. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt den Nachteil berufstätiger Frauen im Rahmen der digitalen Kompetenzen auf. So fühlen sich beispielsweise 34 Prozent der berufstätigen Frauen gut auf den Umgang mit digitalen Technologien vorbereitet, während der Wert der männlichen Beschäftigten bei 49 Prozent liegt. Jobchancen in einem durch die Digitalisierung veränderten Arbeitsmarkt schätzen Frauen ebenfalls pessimistischer ein als ihre männlichen Kollegen. In technischen Fächern wie Informatik oder Ingenieurwissenschaften sind Frauen noch immer deutlich weniger vertreten. Grundsätzlich sind Frauen in der Digitalbranche stark unterrepräsentiert. Auch wenn die Verwendung von etwa Computern im Arbeitsalltag gerade in Bürotätigkeiten ungefähr gleichverteilt ist, kommt es jedoch beispielsweise bei der Nutzung spezieller Software (CAD-Programme und Co.) zu einer höheren Verwendung durch Männer als durch Frauen. So liegt die Wahrscheinlichkeit der Verwendung bei männlichen Beschäftigten bei 50 Prozent, bei Frauen hingegen bei 34 Prozent. Insbesondere weibliche Personen in Teilzeitstellen zeigen sich hier nachteilig. So ist die digitale Unterrepräsentation auch auf strukturelle Barrieren zurückzuführen.

Was bedeutet das Substituierbarkeitspotenzial?

Die Studie der Hans-Böckler-Stiftung kam zudem zu dem Ergebnis, dass bei frauendominierten Berufe, wie etwa die Arbeit der Bürokauffrau, ein höheres Substituierbarkeitspotenzial besteht. Rationalisierungspotenziale durch Automatisierung werden hier häufiger tatsächlich umgesetzt als in von Männern dominierten Berufen.

 

Warum sollte man den Digital Gender Gap schließen?

Verfügen Frauen und Männer über den gleichen Zugang zu Technik und digitalem Wissen, könnte das nicht nur offene Stellen besetzen, sondern auch die Wirtschaft weiter ankurbeln. Insbesondere im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die im Zuge der Digitalisierung neu entstehenden Berufe ist eine Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern wichtig. Neben dem Verfolgen ökonomischer Ziele ist das Schließen des Digital Gender Gaps aber auch im Hinblick auf die Corporate Social Responsibility Ihres Unternehmens relevant. Die Gleichstellung der Geschlechter trägt einen großen Teil zu mehr sozialer Nachhaltigkeit bei. Der gleichmäßige Zugang zu digitalen Anwendungen und digitalem Wissen gestaltet nicht nur unternehmerische Prozesse, wie das Ermöglichen von Heimarbeit, einfacher, sondern sorgt natürlich auch für mehr Zufriedenheit und Wertschätzung bei Mitarbeiterinnen. Die Motivation und Bindung zum Unternehmen steigt bei einem fairen Arbeitsumfeld und Einsatz seitens des Unternehmens. Gleichzeitig können Sie durch eine gleichmäßige Verteilung digitaler Kompetenzen sicher gehen, dass alle Mitarbeitenden über die Skills neuer Technologien und Prozesse sowie digitaler Weiterbildungen verfügen. Ein bewusstes Einsetzen zur Schließung des Digital Gender Gaps bietet Ihrem Unternehmen weiterhin Chancen zur Differenzierung und einen womöglichen Wettbewerbsvorteil im Kampf um gute Fachkräfte bieten. 

Wie kann man den Digital Gender Gap verringern?

Die Welt entwickelt sich rasant weiter. Insbesondere unsere Arbeitswelt verändert sich durch die voranschreitende Digitalisierung und den damit einhergehenden technologischen Innovationen. Neue Berufe entstehen und erfordern unbedingt digitale Kompetenzen. Wie kann man nun die ohnehin bestehenden Ungleichheiten minimieren und verhindern, dass sie durch die Digitalisierung nicht noch vergrößert werden? 

Durch das Schaffen eines gleichberechtigten, sozial nachhaltigen Unternehmensumfeldes verringern Sie die Lücke des Digital Gender Gaps nicht nur, sondern verschaffen auch Ihren Mitarbeitenden sowie Ihrem Unternehmen Vorteile.

Gerechte Verteilung von digitalen Endgeräten

Ein Anfang, um dieses Ziel zu erreichen ist etwa die gerechte Verteilung von digitalen Endgeräten. Verschaffen Sie sich hierfür zunächst einen Überblick. Wie viele Geräte stehen der Belegschaft zur Verfügung? Wie verhält sich die Verteilung auf die Geschlechter? Anschließend sollten Sie Ihre Ausstattung überdenken und transparent nachvollziehbar die Kriterien zur Verteilung der digitalen Geräte aufstellen. Verteilen Sie die Instrumente geschlechtergerecht oder schaffen Sie gegebenenfalls neue Technik an.

Digitale Bildung als Schlüssel zur Gerechtigkeit

Ein wichtiger Faktor zu mehr Gerechtigkeit ist die digitale Bildung. Frauen sind in Informatik- und Ingenieursstudiengängen stark unterrepräsentiert und diese Verteilung zieht sich im Berufsleben fort. Bereits Schulen müssen hier ansetzen und Schülerinnen in MINT-Fächern oder etwa Technik-AGs bewusst fördern. Zudem schult die Investition in digitale Geräte für den Unterricht das digitale Wissen der Lernenden. Aber auch Unternehmen müssen Ihren Mitarbeiterinnen durch gezielte Schulungen und Workshops einen Zugang zu digitalem Wissen verschaffen. Fort- und Weiterbildungen können Frauen weiterhin dabei unterstützen beruflich mehr in den digitalen Bereich einzudringen.

Gendergerechte Qualitätsstandards für digitale Kompetenzen

Gendergerechte Qualitätsstandards für die Entwicklung von digitalen Kompetenzen sollten seitens Ihres Unternehmens eingeführt werden. So kann sichergestellt werden, dass das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten für beide Geschlechter gleichbleibt und Inhalte individuell zugeschnitten werden. Zudem ist dies auch in Anbetracht des demografischen Wandels mehr als sinnvoll. Ziel ist ein vergleichbarer digitaler Kenntnisstand zwischen den Mitarbeitenden. Auch in Entscheidungen etwa bezüglich der Neuanschaffung von Technologien müssen Frauen vermehrt miteinbezogen werden. Überlegen Sie bewusst, wer aktuell in Ihre Entscheidungsprozesse inkludiert ist, und wie sich dabei die Verteilung der Geschlechter verhält. Es ist als Unternehmen unerlässlich, dass sich die gesamte Belegschaft abgeholt fühlt und in den Prozess der digitalen Transformation miteinbezogen wird. Neben den aktiven Bemühungen durch Unternehmen muss sich unsere Arbeitskultur aber auch grundlegend verändern. Insbesondere die Stigmatisierung von Teilzeitarbeit in der Informations- und Kommunikationstechnischen Branche muss sich ändern.

Veränderung der Arbeitskultur und Stigmatisierung von Teilzeitarbeit

Qualität steht vor Quantität. Da weiterhin insbesondere Frauen Care- und daher auch Teilzeitarbeit verrichten, bleiben sie auch in digitalen Berufen eher am Rande. Die Forschenden des WSI fordern ein neues Verständnis der Beschäftigten mit ihren unterschiedlichen Lebensmodellen. Mitarbeitende dürfen nicht mehr als reine Arbeitskräfte gesehen werden, deren Job grundsätzlich im Fokus ihres Alltags stehe. Vielmehr müssen sie als Individuen angesehen werden, welche neben ihren beruflichen Verpflichtungen tagtäglich weiteren nachgehen müssen. Frauen dürften aufgrund ihrer Familiengründung beruflich nicht ausgegrenzt werden.

Geschlechterungleichheit in der digitalen Transformation: Herausforderungen und Lösungsansätze

Geschlechtsspezifische Unterschiede trotz unterschiedlicher Branchen und Positionen

Die beobachteten Nachteile von weiblichen Beschäftigten verringern sich, kommen Faktoren wie der berufliche Status oder Tätigkeit hinzu, dennoch bleiben sie signifikant. So blieben die geschlechtsspezifischen Unterschiede laut der Forschenden des WSI, trotz der Tatsache, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen Branchen und Positionen arbeiteten, auffällig. Hinzukommt, dass die digitale Transformation die Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt aufgrund des Gender Digital Gap sogar verstärken könne. Die Digitalisierung kann nach den Ergebnissen des D21-Digital-Index sogar auf eine Verstärkung der traditionellen Rollenverteilung zwischen Frau und Mann führen.

Bewusstsein und Gegensteuern der Unternehmen

Unternehmen müssen sich dessen bewusst sein und rechtzeitig gegensteuern. Mit Weiterbildungen und der geschlechterübergreifenden Stärkung digitaler Kompetenzen sowie der Überarbeitung interner Prozesse und Maßnahmen lässt sich bereits viel erreichen. Eine Gendergleichstellung ist unerlässlich, um die Chancen, welche die Digitalisierung zu bieten hat, für alle zu erschließen. Hierfür ist auch ein Konsens über die Gestaltbarkeit des digitalen Wandels relevant. So sollten technische Entwicklung und digitaler Wandel grundsätzlich mit den Bedarfen der Gesellschaft verbunden werden. 

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