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Forschung

Experiment zur 4-Tage Woche

Neue Arbeitsmodelle sind überall im Gespräch. Die 4-Tage Woche soll im nächsten Jahr für deutsche Unternehmen im Rahmen eines Experiments erprobt werden.

Was ist die 4-Tage Woche?

Wie der Name impliziert handelt es sich bei der 4-Tage Woche um ein Arbeitszeitmodell, welches lediglich vier Arbeitstage in der Woche vorsieht. Das Wochenende verlängert sich demnach um einen Tag. Das Arbeitszeitmodell wird häufig als Argument für eine bessere Work-Life-Balance angeführt. Mehr Freizeit bedeutet im Umkehrschluss mehr Zeit für die eigene Person, Familie und Hobbies. Für Unternehmen könnte die 4-Tage Woche zur Gewinnung und Haltung von Fachkräften beitragen. Viele sehen in der Vier-Tage Woche auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz durch beispielsweise weniger Fahrten zur Arbeitsstätte. Auch der Gesunderhaltung der Arbeitnehmenden kann das Arbeitszeitmodell dienlich sein. 

Das Pilotprojekt in Deutschland

In Deutschland wird die 4-Tage Woche durchaus diskutiert, eine branchenübergreifende wissenschaftlich begleitete Untersuchung des alternativen Arbeitszeitmodells gibt es allerdings bislang nicht. Das soll sich jetzt ändern. 

Wie läuft das Experiment ab?

Die Mitarbeitenden von mehr als 50 Unternehmen sollen sechs Monate lang vier Tage die Woche bei gleichbleibendem Gehalt arbeiten. Die Bewerbungsphase für das erste deutsche Großprojekt dieser Art startete am ersten September. Bis zum 30. November können sich interessierte Unternehmen noch bewerben. Neben der Koordination durch die Unternehmensberatung Intraprenör und der wissenschaftlichen Arbeit der Universität Münster wird das Experiment von der Initiative 4 Day Week Global begleitet. Diese führte bereits ein Versuchsprojekt in Großbritannien durch. Im Rahmen des Projektes wurde zudem ein Beirat aus Gewerkschaftsvertreter:innen sowie Angehörigen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und des Arbeitgeberverbands BDA gegründet, um die positiven und auch negativen Effekte der 4-Tage Woche auf die Unternehmen und Beschäftigten zu analysieren. 

Nach einer Planungsphase, in welcher die teilnehmenden Betriebe auf das Experiment vorbereitet werden, startet das Projekt im Februar 2024 und dauert bis einschließlich August an. Nach der sechs-monatigen Praxisphase folgt eine wissenschaftliche Auswertung durch die Universität Münster. 

In der Regel wird an den Wochentagen von Montag bis Donnerstag gearbeitet, grundsätzlich steht den Unternehmen allerdings die genaue Ausgestaltung der 4-Tage Woche frei. Durch Trainings und Netzwerktreffen werden die Teilnehmenden bei dem Experiment unterstützt. Die Initiative 4 Day Week Global bezeichnet die Reduktion der Arbeitszeit bei gleichbleibender Lohnauszahlung als 100-80-100 Prinzip. So wird das Gehalt zu hundertprozent ausgezahlt, jedoch nur zu 80 Prozent der Arbeitszeit gearbeitet, wobei die Produktivität weiterhin 100 Prozent betragen soll. 

Wer kann an dem Projekt teilnehmen?

Eine Teilnahme ist für jedes Unternehmen möglich. Je mehr Unternehmen verschiedener Größen und Branchen zusammen kommen, desto eher lässt sich ein repräsentativer Querschnitt generieren, der für Deutschland aussagekräftige Ergebnisse zur 4-Tage Woche zulässt. Natürlich ist zu beachten, dass dieses Arbeitsmodell nicht für jeden Betrieb und jede Stelle denkbar ist. Für Pflegeberufe, Erzieher:innenn und Lehrkräfte etwa kommt eine viertägige Arbeitswoche nicht in Frage. Des Weiteren kann eine Vier-Tage Woche für Handwerksbetriebe zur Herausforderung werden. Das Experiment wird demnach auch Grenzen des Modells aufzeigen und sicher spannende Ergebnisse liefern. 

Positive Ergebnisse voriger Studien

Unter anderem in Australien, Island, den USA und zuletzt in Großbritannien wurden bereits Versuche zur 4-Tage Woche durchgeführt. 

Welche Ergebnisse liegen aus Großbritannien vor?

Die Ergebnisse in Großbritannien zeigen, dass ein Absenken der Arbeitszeit nicht automatisch zu einer geringeren Produktivität führt. Im Gegenteil: die Umsätze der teilnehmenden Unternehmen blieben weitgehend stabil, im Schnitt verzeichneten Betriebe sogar einen stärkeren Umsatz um 1,4 Prozent. 

Im Hinblick auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden konnte die Vier-Tage Woche zu einer Verbesserung beitragen. Das Burnout-Risiko sowie der Stress der britischen Beschäftigten sanken maßgeblich. Auch die Zahl der Krankheitstage ging während des Experiments um zwei Drittel zurück. Die Mitarbeitenden sagten zudem aus, dass sie Berufs- und Privatleben während der viertägigen Arbeitswoche besser miteinander vereinen konnten. 

Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in den anderen Studien wieder. Mit dem Job einhergehende psychische Erkrankungen sowie Fehltage aufgrund von Krankheit nahmen während der Testzeiträume der 4-Tage Woche in der Regel ab.

Umsetzung für Bürojobs einfacher

Grundsätzlich zeigen alle bisher durchgeführten Studien, dass eine Umsetzung der Vier-Tage Woche  im Rahmen von Bürotätigkeiten deutlich einfacher ist.

Was sind Herausforderungen der 4-Tage Woche?

Bleibt das Pensum an abzuarbeitenden Aufgaben gleich, kann eine Kürzung der Arbeitstage durchaus zu längeren Arbeitszeiten an den übrigen Tagen führen. Dies kann mitunter bedeuten, dass die Tage am Arbeitsplatz von Montag bis Donnerstag lang werden können. Effizientes und produktives Arbeiten ist hier gefragt, um die gleichen Aufgaben in weniger zur Verfügung stehender Zeit zu erledigen. 

Auch wenn die meisten Experimente zu dem Ergebnis kamen, dass sich Arbeitnehmende im Rahmen einer 4-Tage Woche zufriedener und gesünder fühlen, kann es dennoch passieren, dass im Rahmen eines gleichbleibenden Arbeitspensums Stress und Zeitdruck entstehen können. 

Nicht alle Unternehmen können es sich auf lange Sicht leisten ihrer Belegschaft für weniger Arbeit das gleiche Gehalt zu zahlen, wie es in dem deutschen Pilotprojekt der Fall ist. Das würde für viele Mitarbeitende weniger zu Verfügung stehendes Einkommen bei gleichen Lebenshaltungskosten bedeuten. 

Das Arbeitszeitmodell der Vier-Tage Woche bringt grundsätzlich einige Vor- aber auch Nachteile mit sich. Diese werden durch das anstehende Experiment gründlich geprüft und gegeneinander abgewägt. Schließlich ist individuell zu entscheiden, ob eine verkürzte Arbeitszeit für die jeweiligen Unternehmen Sinn macht.  

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